Im Interview: Tim Arndt-Sinner, stv. Vorsitzender des Deutschen Kitaverbands (DKV) und Geschäftsführer von Kinderfreunde Wedemark gGmbH
Herr Arndt-Sinner, Sie sind Geschäftsführer eines freien Trägers und seit vielen Jahren im Deutschen Kitaverband engagiert. Was motiviert Sie?
Ich wollte von Anfang an etwas verändern. Lange waren freie Träger politisch kaum vertreten. Der DKV gibt uns eine Stimme, und wir haben schon einiges bewegt. Wenn man spürt, dass Argumente Wirkung zeigen und man tatsächlich etwas zum Besseren verändern kann, dann ist das der größte Antrieb.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Wie schätzen Sie die aktuelle Situation in der Kita-Landschaft ein?
Ehrlich gesagt: Es fehlt an allem. Vor allem am Personal – und das wird sich bis 2030 auch nicht grundlegend ändern. Gleichzeitig ersticken viele Träger in Bürokratie. Wir betreiben in Niedersachsen mehrere Kitas, und die größte Herausforderung ist nicht der Alltag mit den Kindern, sondern der Verwaltungsaufwand drumherum.
Was müsste sich ändern?
Wir brauchen vor allem eines: Vertrauen. Weniger Kontrolle, mehr Ermöglichung. Träger wollen gestalten, aber wir werden zu oft durch Regularien ausgebremst. Ich wünsche mir einen echten Bürokratieabbau und bundesweit einheitlichere Regelungen. Wenn ein pädagogischer Ansatz in Baden-Württemberg funktioniert, warum darf man ihn nicht in Niedersachsen übernehmen?
Gibt es konkrete Forderungen an die Politik?
Viele. Aber die Wichtigste ist: Traut euch, Dinge auszuprobieren! Politik darf nicht nur reagieren, sie muss auch mal gestalten. Der sogenannte „Erprobungsparagraf“ in Baden-Württemberg ist ein guter Ansatz. Wir brauchen solche Modelle in allen Bundesländern. Denn was gut für Kinder ist, zeigt sich nicht im Konzeptpapier, sondern in der Praxis.
Wie sieht für Sie eine zukunftsfähige Kita-Landschaft aus?
Eine Kita-Welt mit weniger Vorschriften, mit motivierten, gut bezahlten Fachkräften und einem echten Miteinander mit Eltern. Und ich wünsche mir mehr gesellschaftliche Anerkennung für die Arbeit, die wir leisten – mit den Kindern, aber auch mit den Familien.
Geld ist ein Dauerthema. Wo liegt für Sie der Kern des Problems?
Es fehlt nicht nur an Geld, sondern an klugen Investitionen. Statt zentral gesteuerte Projekte aufzusetzen, sollten Bund und Länder Mittel so einsetzen, dass sie direkt bei den Trägern ankommen – zum Beispiel für Ausstattung oder Personalgewinnung. Es braucht langfristige Finanzierungsmodelle und weniger planwirtschaftliches Denken.
Was erwarten Sie vom Bund, den Ländern, den Kommunen?
Der Bund sollte sich stärker einbringen – aber bitte mit klaren Vorgaben. Wenn Geld etwa für Sprachförderung vorgesehen ist, dann darf es nicht im allgemeinen Haushalt versickern. Die Länder müssen bessere Anerkennungsverfahren für Fachkräfte schaffen, gerade aus dem Ausland. Und die Kommunen brauchen Entlastung, damit sie wieder mehr in die Kitas investieren können.
Was bedeutet für Sie persönlich „Gemeinsam Zukunft gestalten“?
Für mich heißt das: Kita, Politik, Gesellschaft – alle ziehen an einem Strang. Frühkindliche Bildung ist kein Randthema, sondern der Schlüssel für alles. Wenn wir wollen, dass Eltern arbeiten und Kinder gut aufwachsen, dann müssen wir gemeinsam Verantwortung übernehmen. Und: Wir dürfen nicht müde werden, das immer wieder zu sagen – auch wenn der Weg lang ist.
Bildquelle Titelbild: adobe.stock.com